Grow – Biointensive – Mini – Farming

Mini – Farming ist Intensivgärtnern unter wirtschaftlichen Aspekten. Es geht dabei weniger um den Verkauf von Lebensmitteln, als vielmehr um die finanzielle Ersparnis durch den eigenen Anbau. Daher möchte ich in diesem Blogartikel die Grow-Biointensive-Methode (GBM) einmal näher vorstellen.

Am Anfang stand eine simple Frage: „Wieviel Fläche benötigt man maximal, um eine Person, ein Jahr lang zu ernähren, wenn man von Hand gärtnert?“ Der Engländer Alan Chadwick wollte dieser Frage auf den Grund gehen und schaute sich unter anderem in den französischen Intensivgärten und bei Rudolf Steiner um. Er entwickelte die GBM. Heute wird sie durch das Team Ecology Action um John Jeavons weiterentwickelt. Der Forschungsschwerpunkt liegt in den USA (Kalifornien).

In der GBM sind 8 Punkte von besonderer Bedeutung:

  1. Tiefkulturbeet anlegen
  2. Kompost herstellen
  3. geringe Pflanzenabstände
  4. Pflanzengemeinschaften
  5. Kohlenstoff – Gärtnern
  6. Kalorien – Gärtnern
  7. Saatgutgewinnung aus offenblühenden Pflanzen
  8. Balancen finden

Ein typisches GBM – Tiefkulturbeet hat eine Größe von ca. 10m^3 und eine Rechteckform. Die Breite ist so bemessen, dass man die Mitte gut von beiden Seiten erreichen kann, weil man nie auf das Beet treten sollte. Die Länge ist beliebig. Auch runde Formen, wie ich sie in meinem kleinen Garten habe, sind möglich. Dazu wird der Kreis in Sektoren eingeteilt. Das Entscheidende ist jedoch, dass das Erdreich 2 Spaten (ca. 60cm) tief mit Spaten und Grabegabel aufgelockert wird, damit ihn die Wurzeln leicht durchdringen können. Anschließend wird der Boden mit organischem Dünger und Kompost versorgt.

Bei der GBM konzentriert man sich auf den Boden und nicht auf die Pflanze. Es dauert ca. 7 Jahre, um einen guten Boden aufzubauen, auf dem hohe Erträge ohne chemische Zusätze machbar sind. Deshalb werden Pflanzen angebaut, die viel Masse liefern um damit einen schönen Kompost aufzubauen. Einen Schichtkompost aus „reifem“ und grünem Material, plus Erde und Wasser, anzulegen ist recht einfach. Das Besondere ergibt sich, indem man den Umsetzungsprozess rechtzeitig stoppt, um viel Kohlenstoff zu behalten und anschließend den Kompost trocknet.

Dicke Bohne

Dicke Bohne

Pflanzen werden fast alle in Saatkästen vorgezogen. Das spart Saatgut, Wasser und vermeidet Lücken auf dem Beet infolge nicht aufgegangener Saat. Ich ziehe die Keimlinge gern in Quickpötten oder in einem Saatbeet vor. Auch säe ich gern direkt, wenn mir der Aufwand für das Umpflanzen als sehr hoch erscheint. Die Arbeit zur Ermittlung der Pflanzabstände wurde bereits von Ecology Action erledigt. In dem Buch „How to grow more Vegetables…“ von John Jeavons, kann man alle geläufigen Pflanzen mit den idealen Abständen finden. Wer mag kann diesbezüglich gern auch variieren. Die Pflanzen werden in ein gleichseitiges Dreieck gesetzt und bilden dann eine lebende Mulchschicht, die den Boden schützt, Unkräuter unterdrückt und Wasser spart. Setzt man unterschiedliche Pflanzen zusammen die sich in Symbiose fördern, erhöht dieses auch die Gesundheit und den Ertrag der Pflanzen. Sehr bekannt ist das Beispiel Zwiebel und Karotte.

Sommerweizen

Sommerweizen

Das Kohlenstoff – Gärtnern dient dazu, einen Boden aufzubauen der fruchtbar ist und das Wasser sowie Nährstoffe gut halten kann. Kohlenstoffbestandteile werden besonders aus Pflanzen wie Weizen, Roggen, Mais, etc. gewonnen, deren Früchte z.B. zu Mehl gemahlen und der Pflanzenrest kompostiert wird. Dieser Aspekt des GBM speichert einen Teil des Kohlendioxid´s aus der Atmosphäre dauerhaft und preiswert im Boden. Kohlenstoff- und Kompostpflanzen machen zusammen 60% der Anbaufläche aus.

Früh- und Spätkartoffeln

Früh- und Spätkartoffeln

30% der Anbaufläche sind den hochkalorischen Pflanzen wie Kartoffeln oder Topinambur vorbehalten. Der Mensch braucht schließlich ca. 2000kKalorien und mehr am Tag, will er leistungsfähig sein. Die restlichen ca. 10% sind dann dem typischen Gemüse wie Salat, Möhren, Tomaten, etc. vorbehalten, die den Körper mit Vitaminen und Mineralien versorgen.

Aus ca. 3% der Pflanzen gewinnt man den Samen zurück und sorgt außerdem für eine „Regionalisierung“ der Pflanze. Daher ist es wichtig, kein Hybridsaatgut (F1) oder genmanipuliertes Saatgut zu verwenden. Sobald die Landwirte und Gärtner wieder die Hand auf ihrem Saatgut haben, sind sie unabhängiger und sparen auch noch viel Geld. Achja, das liebe Geld. Diese Methode kommt mit geringem finanziellem Aufwand aus. Man benötigt ein kleines Stück Land, einen Spaten, eine Grabegabel, einen Kultivator, eine Harke, einen Zollstock, eine Gießkanne und schon kann es losgehen.

Beginnen kann man zu jeder frostfreien Zeit. Man fange mit einem Beet (10m^3) an und mache es richtig. Ist der Boden mies, muss erstmalig externer Kompost/organischer Dünger besorgt werden. Da diese Methode in Deutschland so gut wie unbekannt ist, bleibt nur das Buch von John Jeavons auf Englisch zu lesen oder die Webseite growbiointensive.org zu besuchen. Nun möchte ich auch die obrige Frage beantworten. Man benötigt je nach klimatischen Verhältnissen, bei gutem Boden sowie durchschnittlichem Kalorienbedarf um die 370 Quadratmeter Beetfläche pro Person – vegane Ernährung vorrausgesetzt. Die Schwierigkeit ist nicht neben der Arbeit nach der GBM zu gärtnern, sondern die Ernährung umzustellen. Wer Erfahrungsaustausch wünscht, wende sich bitte an Energico (ät) gmx (punkt) net.

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8 Antworten zu Grow – Biointensive – Mini – Farming

  1. genughaben schreibt:

    Sehr schöner Artikel, Enrico! Macht wirklich Spaß zu lesen und regt an doch auch mal bald wieder die Schaufel in die Hand zu nehmen und loszulegen! Alle, die noch mehr über Tiefenkulturbeete lesen wollen, könne auch hier mal gucken: http://genughaben.de/blog/2011/05/05/tiefenkulturbeet-anlegen/

  2. myrrdin schreibt:

    Guter Artikel, ich sollte vielleicht auch noch ein paar mehr Kohlenhydrate reinschaufeln 😉

  3. Pingback: Permakulturgarten in Pinneberg: Ein Biotop mit Mensch. « Permakultur in Pinneberg

  4. Luxemburgerin schreibt:

    370 m2 pro Person – unter Intensivgärtnern und Mini-Farming hatte ich mir etwas kleinere Dimensionen vorgestellt … für Leser mit kleinem Garten ist der Beitrag eher entmutigend 😦

  5. Enrico schreibt:

    @Luxemburgerin
    Es gibt in Hamburg viele Gärten die 350 bis 450 m^2 groß sind. Wenn nicht zu viel Bäume auf dem Grundstück stehen, lässt sich ca. die Hälfte von dieser Fläche für die Nahrungsmittelproduktion nutzen. Eine Person kann in so einem Garten also ca. 50% seiner Lebensmittel selbst produzieren. Ich finde das fantastisch. Der Garten wird dabei nicht zur Geldvernichtungsmaschine, sondern erwirtschaftet ein Einkommen in Form gesparter Lebensmittel beim Einkauf. Der Zeitaufwand ist in etwa so groß, als würde man auf dieser Fläche Rasenpflege betreiben.

  6. genughaben schreibt:

    @Luxemburgerin: wer sein eigenes Land noch besser versteht kommt vielleicht sogar mit noch weniger aus. John Jeavons der Begründer des Biointensiven Gärtners berichtet aus dem übrigends frei verfügbaren „The Farmers of the Forty Centuries“, dass diese sogar mit deutlich kleineren Flächen auskamen. Guck mal diese Video an: http://www.youtube.com/watch?v=afHd9EhsJ1U

    Da wirst du viel finden. Ich kann dir außerdem sagen, dass man nach etwas Recherche (nicht unbedingt nur im Internet, sondern indem man mit Leuten spricht) auch leicht Gärten findet, die deutlich größer als 370qm sind und nicht teuer sind. Wir zahlen für unsere 3000qm ein ganzes Stück weniger als 500 Euro im Jahr. Damit du mal ne Hausnummer ist. Auf der Fläche hast du schon mal genug Land für 8 Personen. Rechnen wir mit durchschnittlich 200 Euro Essenskosten pro Person, dann ist der Ertrag auf der Fläche 9600 Euro wert.
    Also nicht trübsinnig sein. Im Gegenteil! Verglichen mit „klassischen landwirtschafltichen“ Methoden ist das ein Mondflug in puncto Effizienz!
    Beste Grüße!

    • Luxemburgerin schreibt:

      danke für den Link 🙂 ich werd mich mal weiter in die Sache ‚reinlesen‘. Eine größere Fläche zu pachten ist für mich im Moment keine Option, da ich mit unserem Mini-Garten eher noch überfordert bin 🙂 zum lernen und experimentieren reicht eine kleine Fläche erst einmal völlig aus

  7. Pingback: Grow Biointensive Minifarming « Permakultur in Pinneberg

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