Wieviele Windräder verträgt das Land?

Wer abends in dünn besiedelten Gebieten, wie der Prignitz im Land Brandenburg, unterwegs ist, dem wird sehr wohl die Hindernisbefeuerung auf den Windkraftanlagen auffallen. Knallige rote Blitze durchziehen das Land. Wurden in der Gegend mehrere Windparks erstellt, erfolgt das „Geblinke“ auch noch völlig ungleichmäßig. Die Befeuerung ist für bauliche Objekte größer 100m vom Luftfahrtbundesamt vorgeschrieben. Flugsicherheit hat höchste Priorität. Selbst in Gegenden, wo selten ein Flugzeug anzutreffen ist, wurde ein Einschalten der WKA-Befeuerung durch Flugzeuge mittels Transponder, durch die Behörde trotz erfolgreicher Tests, abgelehnt.

Dieses Blinken nervt die Anwohner mittlerweile so stark, dass sobald Pläne für den Bau von Windkraftanlagen bekannt werden, sich sofort eine Bürgerinitiative gründet, um den Bau zu verhindern. Dabei sind diese Menschen nicht grundsätzlich gegen Ökostrom, sondern es ist viel mehr die Art und Weise, wie diesen Dörfern und Gemeinden Windparks und Biomassekraftwerke übergestülpt werden, dass sogar den erneuerbaren Energien positiv gesonnene Leute, auf die Barrikaden gehen. Wenn in der Nähe eines 300 Einwohnern Dorfes auf einmal 70 Windkraftanlagen der 2-3MW – Klasse errichtet werden, ist es aus mit der dörflichen Idylle. Zwar darf sich die Gemeinde bei erfolgreichem Ergebnis in etwa ab dem 7. Jahr über 70% der Gewerbesteuereinnahmen und die Grundstücksbesitzer über Pachteinnahmen freuen, aber wer ist schon aufs Dorf gezogen, um draußen abends bei einem Bier die roten Lichtblitze zu genießen?

Was also tun, um die technische Energiewende nicht ganz zum Erliegen zu bringen und bei den Bürgern mehr Akzeptanz für Erneuerbare Energien zu erreichen?  Politiker, die sich den Bürgern verpflichtet fühlen, gehen den Weg (100% regenerative Region) mit ihren Bürgern gemeinsam. Die Bürger sollen mitbestimmen dürfen, welche Energiemengen wie erzeugt werden sollen. Lösungen gibt es unglaublich viele. Da ein 300 Einwohner Dorf die Energiemenge von 70 Anlagen der 2-3 MW – Klasse überhaupt nicht benötigt, könnte man zu einem Kompromiss kommen, ein Windrad der 7,5 MW Klasse zu bauen oder mehrere zu 0,8MW mit einer Höhenbegrenzung von 100m. Gibt es dann noch die Möglichkeit sich an solchen Anlagen finanziell zu beteiligen, die eigenen Energiekosten durch günstige Tarife gering zu halten und Überschüsse für Gemeindeprojekte zu generieren, steigt die Akzeptanz sprunghaft an. Wird aber die Prignitz weiter durch „anonyme“ Investoren mit Windkraftanlagen vollgestellt, damit die  LOHAS in Berlin ihr pseudo-öko-Leben führen können, wird die Akzeptanz in der Region für solche Anlagen immer weiter sinken.

Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung sind wichtig und richtig. Aber in dem Maße wie Windkraftwerke und Solaranlagen aufgebaut, müssen fossile Kraftwerke abgebaut werden, sonst verschlechtert sich die Umweltbilanz. Auf keinen Fall sollen diese Anlagen dazu dienen, dass wir unseren hemmungslosen Konsumstil mit gutem Gewissen weiter fortführen können.

Passend dazu gibt es ein Bericht von Paul Nellen: Ein Windrad steht im Walde.

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