Bienenwachskerzen

Wabenbau

Wabenbau

Die Bienen bescheren uns neben der Bestäubungsleistung nicht nur den leckeren Honig, sondern auch das Wachs. Diesen brauchen die Bienen, um das Wabengerüst anzulegen, damit dort für Nachwuchs gesorgt und die Energiereserven gespeichert werden können. Das Wachs produzieren die Bienen in ihren Wachsdrüsen selbst. Um ein Kilogramm Wachs zu produzieren, benötigen sie die 4-fache Menge an Honig.

Bienenwachs wird heute hauptsächlich verwendet als Trennmittel in der Süßwarenindustrie, zur Oberflächenbehandlung von Holz und Schuhen und als kosmetischer Grundstoff in Cremes. Die Herstellung von Kerzen hat heute aufgrund der preiswerteren Alternativen Stearin und Paraffin keine große Bedeutung mehr. Auch sind die Mengen von den Imkern nicht im Ansatz lieferbar. Im Jahresdurchschnitt 2010 konsumierte der europäische Bürger 1,3kg Kerzen.

Wachs in Gussform

Wachs in Gussform

Da Paraffin ein Erdölprodukt ist und Stearin teils aus Palmöl, teils aus tierischen Fetten gewonnen wird, lohnt es sich doch wieder verstärkt einen Blick auf das „unbedenkliche“ Bienenwachs zu werfen. Zu Versuchszwecken habe ich mir 2 Wachsformen, Dochte, sowie 3kg Bienenwachs vom Imkerhandel besorgt. Das Gießen geht ganz einfach: Wachs erhitzen, Docht auf die richtige Länge schneiden,  Wachs einfüllen und Erstarren lassen, kurze Nachbearbeitung – fertig.

Bienenwachskerzen

Bienenwachskerzen

Nachbetrachtung: Da das Wachs zur Zeit noch gekauft werden muss, sind die Bienenwachskerzen teurer in der Herstellung, als die Paraffinkerzen aus dem Handel. Die Materialkosten betragen 1,79€ für den Stumpen und 1,00€ für den Bienenkorb. An Zeit benötige ich 15min. Setzte ich dann einen Nettostundenlohn an, von dem man leben kann (13,50€/h), kommen noch 1,69€ pro Stück dazu. Wie man sieht ist man dann ganz schnell in der Luxusklasse angekommen, für ein Produkt, welches aufgrund der Handarbeit nicht perfekt ist, wie vergleichbare maschinengegossene Kerzen. Die Kerzen sollen daher eher verschenkt oder gegen Spende abgegeben werden.

Ich betrachte aber die Dinge nicht nur nach seinen monetären Eigenschaften. Diese handgemachte Kerze fügt sich super auf einem Adventgesteck mit Material aus dem Transitiongarten in Prisdorf ein. Bei Kerzenschein gibt es einen Rote Beete-Apfel-Möhrenrohkostsalat aus dem eigenen Garten dazu. Im Supermarkt konsumierte Sachen können da einfach nicht mithalten, weil man Gefühl, Leidenschaft und auf diese Art gewonnene Zufriedenheit nicht kaufen kann.

Weil uns/mir diese Lebensweise (vom Konsumenten zum Prosumenten) sehr gefällt, wird die Imkerei bei Transition Hamburg nächstes Jahr stark erweitert. Es werden sowohl weitere Bienenkisten gebaut als auch  Magazine zugekauft werden. Neben dem Honigertrag soll auch der Wachsertrag gesteigert werden. Wer noch Motive für Wachsfiguren hat – die können ganz einfach mit Silikon abgeformt werden. So spart man Formen, die 12-20€ kosten. Bei Interesse bitte melden.

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5 Antworten zu Bienenwachskerzen

  1. Christina schreibt:

    Cool. Also ich hätte Interesse an an so einer selbstgemachten Bienenwachskerze. Was mir auch an den Bienenwachskerzen gefällt, ist, dass sie eine lange Brenndauer haben und einen angenehmen Duft verströmen – ganz natürlich. Der höhere Preis für das Bienenwachs ist zugleich Teil seiner Nachhaltigkeit. Man kauft nicht so viel.

    Wenn man sich seine Naturkosmetik selbst anrühren möchte, hat man, denke ich, nicht viele Alternativen zu palmölhaltigen Emulgatoren. Carnauba-und Candelilla-Wachs, Sojalecithin, Kakao-und Sheabutter müssen ebenfalls importiert werden. Und da die Bienenhaltung im Vergleich zur Haltung anderer Nutztiere relativ unkompliziert ist (Platzbedarf, Pflege, Co2-Ausstoß), erscheint sie mir als die beste Lösung. Welche umweltfreundlichen Emulgatoren kämen als Alternative zu Bienenwachs noch infrage, abgesehen von Lanolin (Wollfett)? Beeindruckend finde ich, wie vielseitig sich die durch die Bienenhaltung gewonnen Rohstoffe nutzen lassen.

    Was ich schon oft erlebt habe, aber nicht nachvollziehen kann, ist, dass manche Menschen partout ein veganes Kosmetikprodukt haben wollen, auch wenn dieses hinsichtlich der Umweltbilanz (Transport, Regenwaldvernichtung für Palmöl) schlechter abschneiden sollte. Auf welche pflanzlichen und zugleich regional verfügbaren Emulgatoren könnte man denn zurückgreifen?

  2. myrrdin schreibt:

    wow Christina, du scheinst dich ja richtig auszukennen! Ich kann dir da leider keine Fragen beantworten. Für mich als Mann sind Kosmetikprodukte persönlich nicht sonderlich interessant, finde es aber ein wichtiges Thema, trotz allem. Wollfett ist ja auch nicht sonderlich schlimm. Die Wolle wird ja bei Fleischschafen sowieso weggeworfen in Deutschland. Und Wollschafe gibts hier ja sowieso nicht

  3. Christina schreibt:

    Hallo myrrdin, ich habe zwar beruflich nicht viel mit Chemie zu tun, jedoch vor einer Weile angefangen, mich etwas zu belesen, besonders zum Thema Palmöl. Außerdem habe ich mich gefragt, wie ich mir einfach verfügbare und natürliche Stoffe im Sinne der Alltagschemie zunutze machen kann. Das betriffft z.B. das Waschen und Reinigen (in den meisten erhältlichen Bio-Reinigungsmitteln stecken Tenside aus Palmöl). Nun möchte ich allmählich in die Kosmetikherstellung einsteigen, da ich leider den Eindruck habe, dass in sehr vielen Naturkosmetikprodukten Palmöl eingesetzt wird, oft bereits in weiterverarbeiteter Form und daher an den INCI nicht so leicht zu erkennen. Besonders würde mich die Cremeherstellung interessieren. Um die festen und flüssigen Zutaten miteinander zu verbinden, benötige ich einen Emulgator. Es soll eine Öl-in-Wasser-Emulsion werden. Welcher Emulgator verwendet wird, ist abhängig vom prozentualen Fettanteil. Ich würde es gerne mit einer leichten Formulierung versuchen, die für Mischhaut oder unreine Haut geeignet ist und nicht so reichhaltig. Das Bienenwachs oder Lanolin wäre dann der Konsistenzgeber und, wenn ich mich nicht irre, nicht der eigentliche Emulgator (z.B. Tegomuls, Glycerinstearat SE, Emulprot, Emulsan, Xyliance ,Lysolecithin – palmölhaltig, mit Ausnahme von Xyliance (aus Weizenstroh und Kokosöl) und Lysolecithin (aus Soja), wenn ich richtig informiert bin). Bienenwachs und Lanolin sollen v.a. in höherer Konzentration ein wachsiges Gefühl auf der Haut hinterlassen, werde also etwas rumprobieren müssen. Bei der Suche nach Cremerezepturen im Internet bin ich bisher nur auf solche gestoßen, die entweder palmölhaltige Emulgatoren enthalten oder keine regionale Alternative darstellen (Xyliance, Lysolecithin).

    Also Bienenwachs und Lanolin werde ich sicher einsetzen, habe nur das Gefühl, dass das allein ohne Emulgator nicht reicht, um der Creme die richtige Konsistenz zu geben. Der Gedanke mit dem Wollfett kam mir auch, da dieser Rohstoff quasi nebenbei der Schafhaltung anfällt. Wäre schade, ihn nicht zu nutzen.

  4. genughaben schreibt:

    Moin Christina,

    richtig regional und vegan wird schwierig. Emulgatoren und Tenside chemisch gesehen dasselbe: sie bestehen aus einem fettliebenden Teil (Fette, Öle aus Raps, Oliven, Haselnüssen, Sesam oder Rindertalg, Fisch und Milch bzw. Käse …) und einem wasserliebenden Teil (z.B. Sorbit (z.B. aus Vogelbeeren), Zucker, Zitronensäure, Essigsäure …).
    Problem ist, dass die Stoffe jedoch verknüpft werden müssen: das geht nur mit einer chemischen Reaktion (sog. Veresterung).
    Ich vermute, dass regionale und vegane Emulgatoren schwer käuflich zu erwerben sind. Entweder man nimmt pflanzlich-basierte und weniger regional (z.B. auf Basis von Olivenöl: http://www.olionatura.de/_rohstoffe/index.php?id=54&menue=emulgatoren) oder tierisch und regionaler (z.B: Lanolin – wobei darauf zu achten ist, dass käuflich erwerbbares Lanolin meist nicht reines Talg ist, sondern schon ein Gemisch aus Talg, Wasser und X ist. Wenn X = Paraffin, ist es höchstwahrscheinlich nicht nachhaltig, da Paraffin meist aus Eröl gewonnen wird (http://de.wikipedia.org/wiki/Wollwachs#Eigenschaften)).

    Falls du mit Lecithin arbeiten willst, muss es nicht unbedingt Soja sein: Lecithin ist auch in Eigelb oder in Rindertalg enthalten. Ich weiß aber nicht, ob ein darauf basierendes Produkt aus regionaler Produktion verfügbar ist. Sojalecithin ist einfach – trotz Transport – viel billiger.

    Ein weiteres Problem ist die Konkurrenz bei der Verwendung: Eigelb wird eben für diverse andere Dinge auch verwendet.
    Bienenwachs wird sich vermutlich nie als dominantor Emulgator durchsetzen, da Bienen nicht produktiv genug sind. Nicht falsch verstehen, aber wenn es billig (=massenhaft verfügbar) wäre, würde es sicher schon längst verwendet.

    Da ich selbst skeptisch bin, was die nachhaltig verschönernde Wirkung von Kosmetik angeht (*) und allenfalls Vaseline benutze, könnte ich mir vorstellen diese einmal aus Salatöl und Bienenwachs herzustellen (http://de.wikipedia.org/wiki/Vaseline#Gewinnung).

    (*) Soweit ich informiert bin, ist es (zumindest in Deutschland) sogar so, dass es verboten ist, wenn Kosmetika tatsächlich umfängliche medizinisch-dermatologisch Wirkung haben, da sie sonst Medikamente und keine Kosmetika mehr wären. Daher ist die erlaubte Wirkung beschränkt. Vorstellen kann ich mir einen passiven Schutz durch abfangen von Radikalen (etwa durch enthaltenenes Vitamin C, E oder Ubichinon-10 (alias Coenzym Q10)), auch eine reversible Hautbildverbesserung durch einziehende Fette (insbesondere Hyaluronsäure) halte ich für möglich. Entsprechend gibt es in Deutschland auch (fast) keine objektiven Studien:
    Erhebungen zur Wirksamkeit für Kosmetika werden meist per Umfragen und damit nach subjektiven Eindrücken gemacht: Aus „30 von 40 Frauen fanden, dass ihre Haut nach 14 Tagen besser wird aussah“ wird „75% Hautverbesserung nach 14 Tagen“). Ich will mir hier dennoch nicht erlauben zu sagen, dass Cremes nichts bringen. Man sollte sich nur meiner Meinung nach klar sein, dass man leicht viel Geld los wird für „Hokuspokus“.

    Daher finde ich dein Bestreben nachhaltige Cremes selbst herzustellen sehr vernüftigt. Eventuelle Aufpreise sind da meiner Meinung nach mehr als gerechtfertigt.

    Beste Grüße

  5. genughaben schreibt:

    Noch ein Nachtrag zum nachhaltigen Waschen.
    Falls du ökologisches Waschmittel willst und in Hamburg wohnst, kann ich dir welches verkaufen 🙂

    Davon abgesehen: früher wurde in Europa „immer“ nachhaltige mit Aschelauge gewaschen (http://de.wikipedia.org/wiki/Aschenlauge). Das man dringend mit erdölbasiertem Quark waschen „muss“ oder „ökologisch“ mit aus Indien importierten Waschnüssen (*), ist eher ein Phänomen neuerer Dekadenz.

    (*) Weil im Westen auf einmal so viele „ökologisch“ mit Waschnüssen waschen wollen, steigen z.B. in Indien die Preise für Waschnüsse, dass sich die Menschen vor Ort das Zeug nicht mehr leisten können.

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