Eine schrumpfende Bevölkerung als Chance für Natur und Mensch

Deutschland schrumpft! 2010 kamen auf 677.947 Geburten 858.768 Todesfälle. Klammert man die Wanderbewegungen aus, ergibt sich ein Abnehmen der Bevölkerung um 180.821 Einwohner. Die Zahlen sind seit vielen Jahren ziemlich konstant. Für die Wanderungen ergibt sich aus dem Jahr 2009 ein Überschuss an Fortzügen von 12.782 Personen. Diese Zahlen zur Wanderung sind aber sehr schwankend in den letzten 10 Jahren gewesen und daher sind Prognosen für die Zukunft schwer zu treffen (Quelle: destatis.de). Das Berlin-Institut für Bevölkerungsentwicklung prognostiziert Deutschland für 2100 eine Bevölkerung von 24 Mio. ohne Zuwanderung. Soviel erstmal zu den Zahlen – ich möchte auf etwas anderes hinaus.

Das Schreckgespenst vom Aussterben der deutschen Bevölkerung geistert hin und wieder durch die Medienlandschaft. Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass dieses eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Deutschland darstellt. Ich kann diese Leute irgendwo verstehen – predigen und hoffen sie doch noch immer auf weiteres Wirtschaftswachstum. Eine sinkende Bevölkerung die weniger konsumiert, weniger arbeitet und dazu noch durchschnittlich älter ist, wäre eine Katastrophe für sie. Sie müssten dann endlich erkennen, dass unser derzeitliches Wirtschafts- und Sozialsystem einfach nicht robust ist, diesen Zustand der Schrumpfung zu verkraften. Deshalb kommt die laufende Forderung nach mehr Zuwanderung.

Was passiert wenn eine Bevölkerung schrumpft, kann man gut in Ostdeutschland beobachten. Diese Bundesländer haben in der Gesamtbilanz seit 1990 ca. 1,1 Mio. Einwohner verloren. Die Folgen sind geschlossene Schulen, das Abreißen von Wohnungen, entvölkerte Landstriche und teils sterbende Innenstädte in bestimmten Regionen. Dort aber, wo der Mensch sich zurückzieht, bekommt die Natur wieder mehr Raum. In alten zerfallenen Fabrikgebäuden finden Vögel ruhige Nistplätze, sprengen Pflanzen den Beton, Sauerstoff zerstört den Stahl und Bakterien wandeln den Giftmüll um. In einigen hunderten von Jahren finden dann nur noch Archäologen eventuell menschliche Aktivitäten.

Ich denke, dass der Mensch sein Verhältnis zur Natur komplett neu Überdenken muss. Wenn die Weltbevölkerung weiter exponentiell wächst, drängen wir automatisch alle anderen Arten an den Rand der Existenz und gefährden damit unsere eigene. Denn unsere Art zu Leben benötigt viel Raum. Raum für das Entnehmen von Mineralien, Raum zum Leben, für die Ernährung und Raum für das Speichern von Abfällen. Nach Dennis Meadows haben haben wir aber die Belastungsgrenze für unseren Planeten bereits überzogen. Ändern wir nicht freiwillig unseren Lebensstil, werden wir dazu gezwungen werden, und das Ausmaß wird gewaltig sein.

Eine schrumpfende Bevölkerung versetzt uns in die Lage die Auswirkungen von Peak Everythink besser zu handhaben. Indem wir uns und der Natur mehr Raum geben, wird es uns leichter fallen, die kommenden Probleme zu lösen. Eine höhere Vielfalt in der Natur, erhöht auch unsere Stabilität. Zuwanderung wie sie zur Zeit praktiziert wird, mögen kurzfristig für Wirtschaftsunternehmen toll sein, da die Löhne sinken (beobachtet mal den Sektor wo einfache Tätigkeiten wie Reinigung etc. ausgeführt werden), der Konsum steigt und damit der Energieverbrauch und es müssen Wohnungen gebaut werden (deshalb fallen derzeit in Hamburg viele Kleingärten – Orte der Harmonie zwischen Mensch und Natur- zum Opfer. Die Kosten (Schulden) dieser Art der Zuwanderung sind sehr hoch und die Ergebnisse und Folgen unbefriedigend. Prof. Gunnar Heinsohn schätzt sie auf ca. 1 Billion Euro, die von den 25 Millionen Nettosteuerzahlern in Deutschland aufgebracht werden müssen – nicht von der Industrie wohlgemerkt. (Quelle: Das philosophische Quartett).

Auch wenn der eine oder andere jetzt erstmal tief durchatmen muss – es geht mir nicht um ein generelles Einwanderungsverbot von Zuwanderern. Es geht mir darum, dass wir z.B. Afrika und den Nahen und Mittleren Osten dabei unterstützen können (z.B. mit Ausbildung von Lehrern in der Permakultur), das es dort wieder für Mensch und Natur aufwärts geht und die Menschen nicht zu Flüchtlingen werden, sondern vor Ort ein zufriedenes Leben führen können. Ich finde es schlimm, wenn aufgrund von Kriegen und Nahrungsmittelknappheit Menschen ihrer Heimat beraubt werden. Auch ein Anheben des Bildungsniveaus und insbesondere das Stärken der Rechte für Frauen und Mädchen in diesen Ländern ist sehr wichtig. Diese sind nämlich die Stütze einer Gesellschaft. Die Kibbuzim in Israel sollen als schönes Beispiel dienen, wie man mit basisdemokratischen Strukturen, Einfallsreichtum und Schaffenskraft dem kargen Land doch eine Menge abtrotzen kann.

Ich bin ja selbst ein „Flüchtling“. Wirtschaftlichen Interessen folgend bin ich von Ost nach West gezogen. Wenn man mich fragt wo meine Heimat ist, gibt es für mich keinen schöneren Ort als Groß Schönebeck in der Schorfheide – dort wo ich meine Kindheit verbrachte. Der Preis vom Land in die Stadt zu ziehen, kann sich als zu hoch erweisen, wenn wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen zusammenbrechen. Die Städter wird es viel härter treffen, weil einfach zu viele Menschen betroffen sind und die Resilienz viel schwächer ausgeprägt ist. Daher sehe ich es als durchaus willkommen, dass die Bevölkerung in Deutschland auf das Niveau von vor der industriellen Revolution zurückkehrt – ca. 20 Mio. Das ist nicht das Ende für uns, sondern eine Chance in friedlicher Koexistenz mit der Natur zu leben und uns dabei nicht zu wichtig zu nehmen.

Konstruktive Kommentare ausdrücklich erwünscht.

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2 Antworten zu Eine schrumpfende Bevölkerung als Chance für Natur und Mensch

  1. Helmut Raulien schreibt:

    Hallo! Ob man für oder gegen Wanderungsbewegungen sein kann? Wenn es mir irgendwo nicht gefällt, will ich wegwandern dürfen, z.B. in einer Eiszeit nach Afrika reingelassen werden.

  2. Helmut schreibt:

    womit ich nicht den Inhalt des Artikels infrage stellen wollte. Nur was zu dem von Dir angesprochenen „tief durchatmen“ meine Interpretation dieses Atembedürfnisses: Leute da, wo sie wohnen, unterstützen zu wollen, bedeutet nicht, dass man will, dass sie zuhause bleiben. Es werden oft Dinge als Alternativen oder Widersprüche hingestellt, die gar keine sind. So bedeutet die Forderung nach lokaler Unabhängigkeit bzw. Autarkie nicht kommunikative Abkapselung oder Reisebeschränkung. Die Transitionbewegung ist eher ein Beispiel dafür, dass lokale Selbstorganisation, Dezentralismus und globale Vernetztheit sich nicht ausschliessen, sondern bedingen. Auch sind es qualitativ gradezu polar entgegengesetzte Standpunkte, entweder Bedingungen schaffen zu wollen, die es Menschen ermöglichen, da, wo sie wohnen, gut zu leben, andererseits, ihnen zu verbieten, da weg zu gehen. Beides hat nichts miteinander zu tun. Ich finde es aber wichtig, Dinge bzw. politische Motive, die nichts miteinander zu tun haben, auch voneinander zu trennen. Grade Bewegungen, die irgendwie auch spirituell angehaucht sind, womit ich nichts gegen Spiritualität sagen will, sind in der Vergangenheit oft von rechts unterwandert worden, ich sag nur „Blavatzki“. Es gibt heutzutage sogar Versuche von Nazis, den Anarchismus für sich irgendwie zu verwursten, was natürlich nicht gehen kann, aber sie versuchen es. Was ich eigentlich sagen will ist (und das hat nichts mit dem Artikel von Dir zu tun, ausser, dass er mich darauf gebracht hat, und ich will Dir auch garnichts unterstellen, das Gegenteil ist der Fall): Aus der Geschichte der Anthroposophie-etc.-Bewegungen können wir lernen, dass wir uns nach rechts abgrenzen sollten. Wir müssen klare Grenzen ziehen, dass Vaterlandsträumer, Rassisten etc. bei uns nichts zu suchen haben, ausserdem klar eine Ethik propagieren, die egalitär ist, und nach der jede/r Bangladeschi hier rein dürfen soll, und dass globale Vernetztheit nicht nur das Internet meint, sondern grenzenlose Reise/Wanderungsfreiheit. Also als Ethik irgendwas von wegen Gerechtigkeit und alle Menschen haben gleiche Rechte oder so. Ich weiss, Du und Ihr denkt auch so, aber wie gesagt, in der Geschichte und auch heute ist soviel passiert, dass ich es wichtig fand, das nochmal zu artikulieren. LG!

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