Ein kleiner Einblick in die Welt des Geldes

„Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“ Dieser Satz stammt von Henry Ford, dem bekannten Automobilproduzenten.

Unser EURO oder der Dollar ist sogenanntes FIAT Geld. Als FIAT Geld bezeichnet man Geld, welches nicht oder kaum durch Vermögenswerte wie Gold, Silber, Land gedeckt ist. Das Problem ist, dass dieses Geld eine Geldschöpfung in beliebiger Höhe erlaubt. Das funktioniert einfach, indem jemand z.B. auf den Knopf drückt und eine Druckerpresse anwirft. Aber auch private Banken tun dieses, wenn sie Kredite vergeben oder Zinsgeld einnehmen.

Das passiert so: In einer Welt ohne Geschäftsbank sei die Geldmenge 1000 Euro die von der Zentralbank in Noten ausgegeben wird. Nun wird eine Geschäftsbank A gegründet und die 1000 Euro dort deponiert. Die Geldmenge beträgt zwar immer noch 1000 Euro, aber nicht mehr in Form von Banknoten, sondern einer Sichteinlage. Nun weiß die Bank A aber, dass die Sparer nicht die gesamten 1000 Euro auf einmal abholen werden. Sie behält eine Reserve (20%) zurück und vergibt Kredite im Wert von 800 Euro. Die Geldmenge hat sich dabei auf 1800 Euro erhöht (Sichteinlagen 1000€ + 800€ Banknoten).

Nun gehts weiter. Für die 800 Euro kauft der Kreditnehmer Waren ein. Der Verkäufer deponiert das eingenommene Geld bei einer weiteren Bank B und diese schreibt das Geld als Sichteinlage gut. Bei 20% Reserve hat diese Bank 640€ neues Geld erschaffen. Ein Bankkunde von B nimmt ein Kredit auf, kauft Waren und Dienstleistungen und der Verkäufer deponiert bei Bank C die Banknoten. Bank C kann 512€ wieder an Krediten vergeben usw. Das Ende ist erreicht wenn alle Banken für 4000€ Kredite vergeben haben und die Geldmenge 5000€ erreicht, bei einer Reserve von 20%.

Zinsen: Das Geld für die Zinsen wurde nie geschaffen. Wenn man einen Kredit aufnimmt, muss man Zinsen bezahlen. Dieses erfordert aber Wirtschaftswachstum, da auch für die Zinsen fleißig gearbeitet werden muss, um sich aus der Schuld zu befreien.

Zinseszinsen: Die Formel zur Berechnung der Zinseszinsen lautet wie folgt:                       Kn=Ko*((1+p/100))^n. Hier handelt es sich um einen exponentiellen Vorgang. Da wir aber auf einem begrenzten Planeten leben, haben wir mit dieser exponentiellen Funktion in unserem Geldsystem so etwas geschaffen, als wenn ein Tumor in einem menschlichen Körper ungehindert wachsen würde. Es folgt der Tod des Patienten und des Tumors. Das Geldsystem kollabiert, sobald die Wirtschaft stagniert oder schrumpft. Schaut man auf die Regierungen, so verschulden sich diese massiv, um das System irgendwie am Leben zu halten. Es reicht aber auch schon, wenn alle Sparer zur Bank gehen und ihr Geld vom Konto abheben wollen. Warum hat wohl Frau Merkel 2008 für die deutschen Spareinlagen mit Steuergeld gebürgt? Völlig absurd, aber so war es.

Die Zentralbank hat nur über die Zinsen die Möglichkeit die Geldmenge etwas zu steuern. Bei hohen Zinsen werden weniger Kredite vergeben und das Wirtschaftswachstum gebremst. Mit niedrigen Zinsen versucht man Wachstum zu generieren und das hat zur Folge, dass die Geldmenge steigt, aber mit dem Problem, dass auf einem begrenzten Planeten nichts ins unendliche Wachsen kann.

Um aus diesem Dilemma des Wachstumszwangs herauszukommen gibt es die Postwachstumsökonomie. Durch Subsistenz und Suffizienz entsteht Resilienz. Heißt. Durch klugen Verzicht (Suffizienz) und Ersetzen von einem Großteil des Konsums durch handwerkliche Fähigkeiten, Zeit und menschliche Beziehungen (Subsistenz), können wir unsere Kommune resilient gestalten. Wir haben uns mit dieser globalisierten Fremdversorgung keinen Gefallen getan, denn wir sind bequem und stark abhängig und damit extrem anfällig geworden. Viele Kulturtechniken werden schlicht nicht mehr gepflegt und für die breite Masse gehen sie nach und nach verloren. Tritt auf der Welt irgendwo eine Störung auf, hat das auch Auswirkungen auf uns. Sind die Supermärkte 4 Wochen geschlossen und es kann auf keinem anderen Weg Nahrung beschafft werden, wird es wohl ein zivilisatorisches Desaster geben. Auch wer derzeit Sozialgeld bezieht, darf sich nicht in Sicherheit wiegen. Der Herrgott gibt es, der Herrgott nimmt es. Ein paar Gesetze sind schnell geändert. Es hilft nichts – wir müssen essen, also sollten wir uns besser darum selbst kümmern. Daher wäre mein Vorschlag, dass die Regierung den Menschen Ackerflächen nach dem Allmendeprinzip zuweist und die Menschen im Gärtnern schult, sowie das Sozialgeld reduziert.

Ein neues Gesellschafts-, Wirtschafts- und Finanzsystem braucht vor allem eines – mehr Verantwortlichkeit seiner Bürger. Wenn diese Systeme klein, flexibel, dezentral und vielfältig sind und von der breiten Masse der Menschen getragen wird, dann sind sie auch stabil. Subventionen, Bankenrettung, EU, Sozialgeld, ist genau das Gegenteil von dem. Es entlässt die Menschen aus der Verantwortung für ihr eigenes Leben. Dieser Verlust an Verantwortung geht auch mit dem Verlust von Freiheit einher. Das ist das Tragische an der ganzen Sache.

Quellen: Nico Paech auf der Karma Konsum Konferenz und http://www.fiat-pecunia.org/geldsystem und http://www.berlinonline.de/berlinerzeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/1006/seite1/0040/index.html
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Eine Antwort zu Ein kleiner Einblick in die Welt des Geldes

  1. Helmut schreibt:

    Also das Geld hat sich irgendwie verselbstständigt, ist virtuell geworden, beliebig vermehrbar. Es ist ja noch garnicht so lange her, dass es an die Goldreserven gekoppelt war, das ist jetzt nicht mehr so, sollte man das wieder machen? Nachdem das Geld seine Berechtigung nicht mehr aus Sachwerten wie Goldbarren in Fort Knox hat, hat es seine Identität, seinen Wert nur noch aus dem Glauben. Das heisst. das Geld ist nur soviel wert, wie die Leute an seinen Wert glauben. Die Leute glauben daran, weil die Staaten sich dafür verbürgen, den Geldwert garantieren. Sowas kann ein Staat aber nur glaubhaft tun, wenn klar ist, dass er vertrauenswürdig ist und nicht z.B. pleite gehen kann. Nun ist es aber so, dass Politiker grade darüber diskutieren, ob man nicht den einen oder anderen Staat auch mal pleite gehen lassen könnte. Dadurch wird der Glaube an die staatliche Garantie des Geldwertes erschüttert, wodurch der gesamte Wert des Geldes an sich in Frage gestellt wird, denn Geld ist nur soviel wert wie unser Glaube an es. Insofern kann es so sein, dass, wenn die ersten Staaten pleite gehen, die ganze Geldwirtschaft schneller als man es vermutet hätte, aufgrund allgemeinen Unglaubens, ihren Geist aufgibt. Dann ist Resilienz gefragt, kommunale, dezentrale Strukturen. Ich möchte aber die Frage stellen, ob die das auffangen können: Ein Grossteil unseres Lebensstandards basiert auf zentralisierter industrieller, kapitalintensiver Produktion. Ein Auto würde, wenn es nicht mit Hilfe von Robotern etc., sondern handwerklich hergestellt würde, viel mehr kosten. Computerchips kann man handwerklich überhaupt nicht herstellen, Wenn ich eine Kaffeemaschine in meiner Metallwerkstatt bauen sollte, müsste ich dafür 1000 Euro verlangen, na gut, man kann Kaffee auch von Hand aufbrühen, und braucht auch keine Autos: Pferde und Fahrräder tun es auch. Ok, es könnte vielleicht doch funktionieren. Statt übers Internet könnte man mit selbstgebastelten Kurzwellenradios auch weltweit kommunizieren. Morsen statt downloaden. Ich würde es gut finden. Pferdeäpfel statt Feinstaub, körperlich präsenter Ansprechpartner statt sms. Aber wie erklären wir es unseren Kindern? Die sind doch schon quasi als Borg assimiliert, rund um die Uhr in virtuellen Sphären online, für die wäre es wirklich ein Kulturschock.

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